Eine Reise durch die Stadt der Kirchen – Speyer und seine unwahrscheinlich vielen Gotteshäuser

Eine Reise durch die Stadt der Kirchen – Speyer und seine unwahrscheinlich vielen Gotteshäuser

Wer Speyer besucht, merkt schnell: Diese Stadt ist kein gewöhnlicher Ort. Die Silhouette wird von gewaltigen Türmen dominiert, doch das wahre Geheimnis liegt in der Vielfalt ihrer sakralen Schätze. Was Speyer so besonders macht, ist das dichte Nebeneinander von monumentaler Romanik, filigraner Gotik und dem tief verwurzelten jüdischen Erbe, das seit 2021 zum UNESCO-Welterbe zählt.

Einzigartig in Europa: Das SchUM-Erbe und der Judenhof

Speyer war im Mittelalter eines der geistigen Zentren des europäischen Judentums. Die Ruinen der Synagoge im Judenhof sind heute eines der bedeutendsten Zeugnisse dieser Zeit. Besonders beeindruckend ist die Mikwe, das rituelle Tauchbad aus dem 12. Jahrhundert. Es ist das älteste seiner Art in Europa und fast vollständig in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Die Architektur der Synagoge selbst zeigt, wie eng der Austausch damals war – die Steinmetze, die am Dom arbeiteten, hinterließen auch hier ihre kunstvollen Spuren.

Der Kaiserdom: Das steinerne Gebet der Salier

Nur wenige Gehminuten entfernt ragt der Kaiser- und Mariendom empor. Er ist das größte erhaltene romanische Kirchenbauwerk der Welt und ein Symbol kaiserlicher Macht. Was ihn von anderen Kathedralen unterscheidet, ist seine monumentale Schlichtheit und die gewaltige Krypta, die als Grablege von acht Kaisern und Königen dient. Er wirkt wie ein Anker der Geschichte am Ufer des Rheins.

Ein Wettstreit der Stile: Gedächtniskirche und St. Joseph

Das Stadtbild wird zudem durch ein spannendes Duo geprägt: Die Gedächtniskirche der Protestation mit ihrem 100 Meter hohen, neugotischen Turm und die katholische Kirche St. Joseph. Beide entstanden um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert in einem architektonischen „Wettstreit“. Während die Gedächtniskirche durch ihre feinen Steinmetzarbeiten und das lichte Innere besticht, beeindruckt St. Joseph durch eine prächtige Mischung aus verschiedenen Baustilen und farbenfrohen Fresken.
Das Besondere an Speyers Sakrallandschaft

Was ist es nun, das Speyer so einzigartig macht? Es ist die Toleranz und Kontinuität, die man hier spüren kann. Auf einem kurzen Spaziergang wandelt man zwischen der jüdischen Mystik des Mittelalters, der kaiserlichen Romanik und der protestantischen Aufklärung. In kaum einer anderen Stadt in Deutschland liegen Welterbestätten zweier Weltreligionen so friedlich und nah beieinander.

Diese Orte sind weit mehr als Museen; sie sind Orte der Stille und der Einkehr, die zeigen, wie Architektur und Glaube über Jahrhunderte hinweg das Gesicht einer Stadt geformt haben. Ein Besuch in Speyer ist immer auch eine Einladung, die Verbundenheit dieser Kulturen neu zu entdecken.